Dienstag, 15. Dezember 2009

Wir sind alle Majid Tavakoli

Kennt ihr dieses Foto? Immerhin war es auf vielen internationalen Zeitungen und Nachrichtendiensten wie New York Times, CNN und Webseiten zu sehen. Nach dem Erscheinen dieses Fotos begannen iranische Blogger mit einer neuen Kampagne, die dank Twitter und Internet sehr schnell erfolgreich wurde. Hunderte Männer verschleierten sich, darunter auch Dozenten der amerikanischen Universitäten. Auch deutsche Medien berichteten davon, beispielsweise die FAZ.

Majid Tavakoli saß bereits zweimal im Gefängnis. Das hielt ihn aber nicht davon ab, seine mutige Rede an der Amir-Kabir-Universität zu halten und Chamenei als Diktator zu bezeichnen. Er wurde wieder verhaftet.

Die Ahmadinejad-nahe Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte ein Foto von ihm im schwarzen Tschador. Damit wollte die Putsch-Regierung Majid Tavakoli erniedrigen und eventuell eine Spaltung zwischen den Studenten und der Bevölkerung erreichen. Augenzeugen behaupten aber, dass Majid nicht im Tschado war, als er verhaftet wurde.

FAZ schreibt: "unverschämt: Fars stellte sein Foto neben ein Bild von Abdul-Hassan Bani Sadr, dem ersten Präsidenten der Islamischen Republik, der 1981 angeblich ebenfalls als Frau verkleidet ins französische Exil geflohen war. Während das Foto Bani Sadrs, der glattrasiert und ohne sein Markenzeichen, den Schnurrbart, im geblümten Kopftuch voll in die Kamera blickt, tatsächlich seine eher weiblichen Gesichtszüge aufscheinen lässt, wirkt Tavakoli mit Dreitagebart und gesenktem Blick nur verkleidet und beschämt.
[...]
Eine Website drehte den Spieß um, montierte das Gesicht von Präsident Mahmud Ahmadineschad unter den Tschador und zeigte sogar den religiösen Führer Ali Chamenei als zarte Schönheit, rotwangig und mit Lippenstift."

Den vollständigen Artikel könnt ihr auf FAZ.net lesen.

Für diejenigen, die kein persisch können: ab etwa der 40. Sekunde wird es interessant.


Kommentare:

  1. We!rter "dust and trash",

    mir hat sehr die zurückhaltend-ruhig-besonnene Art Ihrer Mitteilung kürzlich auf der Kommentar-website der "taz" gefallen!

    Das Photo mit dem Polizisten halte ich für extrem relevant.

    Das Video zu Majid Tavakoli ist für mich ein Indiz der Reife der iranischen ("grünen") Bewegung für mehr Demokratie: unglaublich witzig und intelligent. Da in Iran - wie natürlich überall - die Realität wahrscheinlich die eigentliche Satire ist, [in Iran allerdings lebensgefährlich],scheint es automatisch dort zu einer exponentiellen Ausbreitung von Komiker-Satirikern zu kommen. Witze und Satire, Komik und Scherze sind ja auch wohl die schlimmsten Feinde jeglicher Heuchelei und Unterdrückung. - Eine Bewegung, die über ein so hohes Mass an Witz, politischem Realitätssinn und Gefühl für das Machbare verfügt, kann mittel- oder langfristig nur erfolgreich oder besser "siegreich" sein.

    Vielen Dank für Ihren nicht nur wichtigen, sondern tollen Blog

    Publicola

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  2. Werter „dust and trash“,

    wenn auch nicht direkt zum Thema Ihres Blog-Beitrages hier, so doch allgemein zum Bereich „Justiz, Parlament und Politik in Iran: Risiken und behördliche Todesfälle“:

    Sie hatten kürzlich Ihre Leser über den (wahrscheinlich behördlicherseits veranlassten) Tod des jungen iranischen Arztes Ramin Pourandarjani, der seinen Wehrdienst im berüchtigten Kahrizak-Gefängnis ableistete und wahrheitsgemäß auf Nachfrage die Behörden über die dort vorkommenden Foltertode informiert hatte, oin Kenntnis gesetzt.

    Die deutschsprachigen Medien haben dieses Thema bedauerlicherweise nur „en passant“ aufgenommen. Im Folgenden noch ein Nachtrag meinerseits zu deutschsprachigen Berichten sowie Protesten menschenrechtlich orientierter Organisationen:

    1) Bericht auf „Julia’s Blog“ vom 15.11.2009:
    http://englishtogerman.wordpress.com/2009/11/15/tehran-bureau-neue-einzelheiten-zum-tod-des-kahrizak-arztes/
    2) Bericht der online-Zeitung/Ausgabe „der Freitag“ (Deutschland) vom 17.11.2009:
    http://www.freitag.de/politik/0946-iran-praesidentenwahl-unruhen-folter
    3) Bericht auf dem „Weblog von Ali Schirasi“ vom 23.11.2009:
    http://alischirasi.blogsport.de/2009/11/23/die-anwort-der-iranischen-regierung-auf-friedliche-demonstrationen-hinrichtungen/
    4) Bericht der Online-Tageszeitung „netzeitung“ (Deutschland) vom 18.11.2009:
    http://www.netzeitung.de/politik/ausland/1516619.html
    5) Bericht (jeweils identisch) der „Basler Zeitung“, „Berner Zeitung“und „Tagesanzeiger“ (Schweiz) vom 02.12.2009:
    http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Iranischer-Arzt-mit-Blutdrucksenker-vergiftet/story/20124473
    http://www.bernerzeitung.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Iranischer-Arzt-mit-Blutdrucksenker-vergiftet/story/20124473
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Iranischer-Arzt-mit-Blutdrucksenker-vergiftet/story/20124473
    6) Bericht der Tageszeitung „20 Minuten“ Online(Schweiz) vom 02.12.2009:
    http://www.20min.ch/print/story/15284085
    7) Offener Brief an die Iranischen Behörden von „Amnesty International“, „Ärzte für Menschenrechte“ und die „Internationale Kampagne für Menschenrechte in Iran“
    http://englishtogerman.wordpress.com/2009/11/25/arzte-fur-menschenrechte-ichri-amnesty-international-fordern-untersuchung-des-verdachtigen-todes-von-ramin-pourandarjani/
    8) Offener Brief an die Iranischen Behörden von „Ärzte ohne Grenzen“:
    http://www.iran-aktuell.de/Archi/AerzteohneGrenzen.pdf
    bzw. als html-Dokument:
    http://209.85.129.132/search?q=cache%3A03-TX8-8fDYJ%3Awww.iran-aktuell.de%2FArchi%2FAerzteohneGrenzen.pdf+Ramin+Pourandarjani&hl=de&gl=de

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