Montag, 22. November 2010

Genehmigung für Hitler-Anhänger

 Mohammad-Ali Ramin, 
mutmaßlicher Schreiber von Reden Ahmadinedjads,
in denen dieser den Holocaust als Mythos bezeichnete

Eine Webseite namens "Iranischer Verein für Forschung des Nazismus" (pers.: انجمن پژوهشی نازیسم ایران) ist nicht mehr gefiltert. Laut der Webseite selbst soll sie sogar vom Ministerium für Kultur und islamische Führung genehmigt worden und gemäß der Gesetzen der islamischen Republik tätig sein. Mehreren Webseiten zufolge wurde die Webseite früher von den iranischen Behörden gefiltert. Roozonline berichtet, dass die Seite von Ramin, Stellvertreter des Ministeriums für Kultur und islamische Führung, genemigt wurde.
Roozonline schreibt außerdem, dass Mohammad-Ali Ramin klare nazistische Tendenzen habe. Er sei während seines Studiums in Deutschland mit Neo-Nazis in Kontakt gewesen.

Als die Webseite Tabnak, die zu Mohsen Rezaei naheste Webseite, die Genehmigung kritisierte, erklärte das Ministerium Tabnak, dass es die Webseite nicht genehmigt habe. Es ist aber zu erwähnen, dass zur Zeit die Webseiten von früheren Staatsmännern wie die von Ex-Präsident Khatami oder die Webseiten der wichtigsten Kleriker im Iran wie Ajatollah Dastgheib und Ajtollah Sanei gefiltert sind. Die Erklärung des Ministeriums für Kultur und islamische Führung, das einen sehr schlechten Ruf hat, ist also nicht glaubwürdig.

Nazi-Propaganda statt Forschung

Der Verein für Forschung des Nazismus forscht nicht über Nazismus. Er propagiert Faschismus und Antisemitismus. Laut Roozonline hat die Webseite der Hitler-Anhänger 300 Mitglieder. Der Verein verbreitet antisemitische Propaganda, bezeichnte den Holocaust als Lüge, die von Hollywood und zionistischen Medien in den letzten Jahrzehnten verbreitet wurden. In einem Statement erklären die Mitglieder, dass sie Soldaten des Nazismus seien. Außerdem müssen alle Verantwortlichen jeden 20. Tag von allen ihrer Aktivitäten ein Bericht abliefern. Tut jemand seine Pflichten mit voller Kraft nicht, werde er interpelliert, heißt es im Statement.

Dienstag, 16. November 2010

Deutsche Journalisten "gestehen" im staatlichen Fernsehen

Gestern (Montag Nacht) fand erneut ein Schauprozess im iranischen Fernsehen statt. Dieses Mal waren auch zwei Deutsche in der Sendung Zwanzig-Dreißig zu sehen.

Hintergrund

Die zwei deutschen Journalisten waren mit Touristenvisa in den Iran gereist, um den Sohn von Frau Ashtiani zu interviewen. Frau Ashtiani wurde zuvor wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilt, wegen internationalen Druckes lebt sie aber noch. Wer sich mehr über den Fall informieren will, dem empfehle ich diesen Artikel der Frankfurter Rundschau zu lesen.

In der Sendung sagt Frau Ashtianis Sohn, dass er auf den Ratschlag von Frau Mina Ahadi, Menschenrechtsaktivistin, hin Herr Mostafaei als Anwalt für seine Mutter beauftragte. "Mostafaeis Arbeit war nicht erfolgreich, sondern eher negativ". Die Stimme der deutschen Journalisten hört man nicht. Zu hören ist nur die scheinbar übersetzte Stimme eines Sprechers. "Ich hatte keine Informationen über den Fall, aber Frau Ahadi wusste Bescheid und hat mich in den Iran geschickt, da meine Festnahme ihr zu Bekanntheit verhelfen sollte" [1] und "Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, da ich keine Informationen über den Fall hatte und von Frau Ahadi ausgenutzt wurde." [2] Frau Ahadi kennt natürlich die Sendung Zwanzig-Dreißig. Sie weiß, dass solche Geständnisse unter Druck entstehen, deshalb verteidigt sie die Journalisten. 


 "Zuschauer" von Mana Neyestani

Spätestens durch den Fall von Frau Ashtiani haben wir gelernt, dass wir das Leben der Menschen retten können, dass es sich lohnt, Staaten wie den Iran wegen Menschenrechtsverletzungen auf zivilem Wege unter Druck zu setzen, indem man solche Fälle publik macht. Auch aus diesem Grunde sind die beiden deutschen Journalisten in den Iran gereist und haben ihr Leben riskiert. Doch liest man hin und wieder merkwürdige Kommentare wie "Was haben die Deutschen in Iran verloren", die sagen wollen, es gehe "uns Deutschen" doch nichts an. Sie vergessen, dass es sich um Menschenrechte und Menschenleben handelt und nicht um die Wirtschaftspolitik eines Landes. Und das geht alle Menschen an, die Respekt vor der Menschenwürde haben. Wie sagte Saadi so schön:

Human beings are members of a whole
In creation of one essence and soul
If one member is afflicted with pain
Other members uneasy will remain.


Fußnote:

1), 2) Übersetzung übernommen aus Taz

Vergleichbare Artikel:
taz: Iran führt Deutsche im Fernsehen vor
Die Zeit: Iran führt inhaftierte Deutsche im Fernsehen vor

Samstag, 13. November 2010

Die Anwältin im Hungerstreik


Nasrin Sotoudeh ist im Gefängnis, weil sie (unter anderem) ihren Job gemacht hat: sie ist Anwältin. Ihre Mandanten sind auch wie sie keine Kriminelle. Frau Sotoudeh verteidigt hauptsächlich Menschenrechtler, politisch-gesellschaftliche Aktivisten und Aktivisten der iranischen Frauenbewegung.
Die Prominentesten darunter sind:

Shirin Ebadi, die Friedensnobelpreisträgerin, Heshmatollah Tabarzadi, unter anderem Journalist, Mitglied der Studentenorganisatiom Tahkim-e-Vahdat und Vorsitzender der demokratische Bewegung Irans [1] und Parvin Ardalan, Journalistin und Aktivistin der Frauenbewegung.

Nasrin Sotoudeh ist selbst auch eine Aktivistin der Frauenbewegung. Sie ist Mitglied der Kampagne One Million Signatures oder Change for Equality. Eine Kampagne, die sich für Gleichberechtigung einsetzt.

Vor ihrer Verhaftung wurde ihr öfter angedroht, verhaftet zu werden, falls sie nicht aufhören sollte, S. Ebadi im Streit mit der Justiz zu verteidigen und zu repräsentieren. Am 5. September wurde sie verhaftet. Am fünften Oktober ging Nasrin Sotoudeh in einen Hungerstreik, den sie auf Wunsch zahlreicher Freunde und Aktivisten am 26. Oktober beendete. Sechs Tage später aber begann sie einen trockenen Hungerstreik. Seit dem 10. November nimmt sie wieder Wasser zu sich. Über ihren Hungerstreik können Sie auf Julias Blog mehr lesen (s. vergleichbare Artikel).

Am Rande

Es kann darüber diskutiert werden, ob Frau Ebadis Leipziger Protestrede, die für viel Diskussion sorgte, eher aus Überzeugung gehalten wurde, oder ob sie an einer solchen Veranstaltung lieber nicht teilgenommen hätte, um den Machthabern im Iran keine Ausrede zu geben, den Druck auf Aktivisten wie Nasrin Sotoudeh ihretwegen zu erhöhen. Ich weiß die Antwort nicht, denke aber, dass man im deutschsprachigen Raum diesen zweiten Aspekt oft vergisst.

Fußnote

1) Über Heshmatollah Tabrzadi werde ich in naher Zukunft mehr schreiben.

Vergleichbare Artikel
Julias Blog: Inhaftierte Anwältin Nasrin Sotoudeh im trockenen Hungerstreik
Menschenrechtsgruppen wünschen sich Unterstützung der UN-Menschenrechtskommission für inhaftierte iranische Anwältin
Nasrin Sotoudeh nimmt wieder Wasser zu sich, setzt ihren Hungerstreik im Evin-Gefängnis aber fort
Tehran Bureau: Iran's Most Dangerous Jobs
گوشه هایی از زندگی نسرین ستوده

Montag, 8. November 2010

Student aus Gefängnis: "Ich bin ein Mohareb (Gottbekämpfer)"

Majid Dorri ist ein Student, dessen Recht auf ein Studium ihm wegen seiner politischen Aktivitäten entzogen wurde. Er wurde kürzlich vom Evin-Gefängnis ins Behbehan-Gefängnis versetzt. Behbehan liegt 1000 Kilometer südlich von Teheran. Aus diesem Gefängnis hat er einen Brief geschrieben, den ich teilweise übersetzt habe:

Im Namen der Freiheit; als ich sie sprach, entzogen sie mir das Recht auf ein Studium; als ich sie rief, brachten sie mich ins Gefängnis und als ich in ihrem Namen sang, schickten sie mich ins Exil.

Im Namen der Freiheit; die Freiheit, die, wenn ein Hals ihren Geschmack einmal schmeckt, Gefängnis, Exil, Todesstrafe und Kette für ihn wirkungslos werden lässt.

Ich grüße die Freiheit! Ich grüße das unschuldige Blut, das in ihrer Verfolgung vergossen wurde, ich grüße das Leben, das auf ihrem Weg gelöscht wurde.

Kürzlich, das heißt am Samstag Morgen, wurde ich vom Evin-Gefängnis ins Behbehan-Gefängnis gebracht. Ich wurde mit Moharebeh angeklagt [Gottesbekämpfung; Krieg gegen Gott] und in einem Nicht-Gericht [damit bezeichnet man Gerichte, die den Namen eines Gerichts nicht verdienen, pers.: بی دادگاه] hat der Richter Pirghazi, ein Name der weder mir noch meinen Anwalt eine Verteidigung erlaubte, mich verurteilt.

Dieses Urteil jagt jedem Menschen Angst ein! Ich wurde Mohareb [Jemand der Gott bekämpft], weil ich nicht wie ein Tier leben wollte und konnte. Wenn das Verteidigen des Rechts auf ein Studium, das das unbestreitbare Recht jedes einzelnen Gottesbekämpfers ist, bin ich ein Mohareb! Wenn politischen Gefangenen zu helfen und ihren Familien Sympathie und Mitgefühl zu zeigen Gottesbekämpfung ist, bin ich ein Mohareb und wenn das Sammeln der Liste der Todesopfer und Verhafteten und das Besorgen eines Anwalt für diejenigen, bei denen unklar ist, von wem, warum, wann und wo sie verhaftet wurden, Moharebeh ist, bin ich ein Mohareb! Ich bin ein Mohareb, ja! Ich bin ein Mohareb und in jedem Ort und in jeder Zeit bin ich stolz ein Mohareb zu sein. Ist denn dieser Krieg nicht viel ehrenvoller als Hundert Frieden!?

[...]

Mit der Hoffnung, dass einmal mit Mühe und Leiden, du und ich, wir werden ...,

Mit Hoffnung an diesem Tag ... ,

Majid Dorri,
10. November.

Quelle: Kaleme http://www.kaleme.com/1389/08/11/klm-37072

Dienstag, 2. November 2010

Studentenprotest gegen die Auflösung ihrer Universität (mit Video)

Studenten der Medizinischen Universität Irans protestierten heute, am 2. November, gegen die illegale Auflösung ihrer Universität. Die Auflösung ist illegal, weil nur der Oberste Rat der Kulturrevolution eine Universität auflösen kann. Dieser Rat ist aber über eine Auflösung nicht unterrichtet worden. Die Nachricht der Auflösung der Universität stand nur auf der Webseite des Gesundheitministeriums. Auch die zuständigen Abgeordneten des Parlaments wurden über die Auflösung nicht informiert.




Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Farsnews berichtete später, dass die Medizinische Universität Shahid Beheshti ebenfalls aufgelöst werden soll.

Es werden weitere Proteste der Studenten erwartet, am Donnerstag, den 13 Aban, der als ein  Studententag im Iran gilt.