Samstag, 30. April 2011

Der Kampf der Konservativen mit sich selbst - Teil 2

"Die Puppe ist verärgert" von Nikahang Kowsar

Der Kampf der Konservativen mit sich selbst geht weiter! Dieser Kampf ist so ernst, dass seine Majestät, der Führer persönlich, ihn dementieren musste.
Seyyed Ali Chamenei sagte in einer Rede am 24. April:
"Man schaue sich die Propaganda der ausländischen Medien über diese Sache an und wie sie Kontroversen schaffen und behaupten, dass die Islamische Republik gespalten ist und dass der Präsident dem Führer nicht gehorcht", mehr auf Julias Blog.

"Ihr eigenes Kampf" von Mana Neyestani

Damit will er die Machthaber im Iran sagen, sie sollen mit den Streitereien aufhören, weil die Feinde der Islamischen Republik sich darüber freuen. Doch nur ein paar Tage später haben zwölf Parlamentsabgeordnete ein Antrag auf Amtsenthebung von Ahmadinedjad gefordert. Das war dem Mahmoud Ahmadinedjad zu viel. Er erscheint nicht mehr an den Kabinettssitzungen.



 von Nikahang Kowsar

Es gibt natürlich viel mehr Cartoons zu dem Thema, auch von den beiden obigen Künstler.  Ich habe mich auf den obigen drei eingeschränkt.

Fortsetzung folgt

Vergleichbare Artikel
Julias Blog: Kabinett tritt zum 2. Mal ohne Ahmadinejad zusammen
Julias Blog: Iranische Abgeordnete wollen Amtsenthebungsverfahren gegen Ahmadinejad

Mittwoch, 20. April 2011

Der Kampf der Konservativen mit sich selbst!

"wenn die Anderen einfach so im Gefängnis sind, müssen wir einander schlagen"
von Nik-Ahnag Kowsar

Irans Konservativen waren sich nicht immer einig, sie haben sich immer wieder gestritten. Auf ihrer eigenen Art und Weise kritisierten sie sich gegenseitig; ganz normal. Kompromisse gingen die Konservativen immer wieder ein, wenn Reformisten eine Gefahr für ihre Macht darstelletn. Während der ersten Regierungsperiode Ahmadinedjads (2005-2009) wurde die Machtkampf zwischen den Konservativen immer größer. Sie bildeten kleinerer Gruppen unter sich, gaben sich neuen Namen und versuchten immer mächtiger zu werden. Ihre Zeitungen begannen einander zu beschimpfen. Sie hörten nicht auf ihrem Führer, der ihnen ständig befahl, mit den Streitereien aufzuhören. Bis irgendwann Mousavi und Karroubi sich zutrauten, trotz des Widerwillen des obersten Führers, zu Kandidieren - Chamenei hatte den Ex-Präsidenten Khatami geraten, nicht zu kandidieren, woraufhin Mousavi ohne einen Termin mit Chamenei kandidierte -. Dann kam die grüne Bewegung, ... Die Reformisten wurden mit aller Gewalt von der politischen Szene entfernt und ins Gefängnis gebracht. Die Streite der Konservativen begannen wieder und wurden größer und größer.

All das habe ich nicht vergessen. Doch kann ich mich nicht dran erinnern, dass die Vorwürfe der Konservativen aneinander so groß waren wie in den letzten zwei Wochen. Auf einmal fingen die Medien der Hardliner wie z.B. Kayhan und Farsnews an, einander heftig anzugreifen. Das ging sogar so weit, dass ein Bassiji der oppositionellen, im Iran gefilterten Online Zeitung Roozonline ein Interview gab, in dem er einigen Regierungsleuten  "schmutzig" nannte und unter anderem den Justizchef scharf attackierte. Es ist zu erwähnen, dass Irans Justizchef vom Revolutionsführer persönlich ins Amt gerufen wird! Weitere Streite der konservativen Medien waren die Folgen des Interviews.

Nicht nur in ihren Webseiten und Zeitungen bekämpfen sich die Konservativen. Ihr Kampf ist eindeutig auf der politischen Bühne zu spüren:
Wie die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA mitteilt, ist der iranische Geheimdienstminister Heydar Moslehi am Sonntag zurückgetreten. Einzelheiten wurden nicht genannt. „Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat Heydar Moslehis Rücktrittsgesuch angenommen und ihn zu seinem Berater für Sicherheitsfragen ernannt“, heißt es bei IRNA. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtet unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle, der Minister sei gefeuert worden. [...] Anfang des Monats hatte Ahmadinejad seinen umstrittenen Berater Esfandiar Rahim Mashaei degradiert, dessen unorthodoxe Ansichten über die Rolle der mächtigen Geistlichkeit und die Bedeutung der seiner Meinung nach vor dem Islam rangierenden iranischen kultureller Werte für Empörung unter den Hardlinern im politischen Establishment gesorgt hatten; aus Julias Blog, Iranischer Geheimdienstminister tritt zurück
Kurz danach setzt Chamenei den Geheimdienstminister wieder ein:
Der Führer der Islamischen Revolution, Ajatollah Seyyed Ali Khamenei, hat den am Sonntag eingereichten Rücktritt von Geheimdienstminister Heydar Moslehi zurückgewiesen und ihn wieder eingesetzt;

IRNA weigerte sich aber ganze 14 Stunden über diese Entscheidung des Revolutionsführers zu berichten.

Krach gibt es außerdem zwischen dem Parlament und dem Regierungschef:
Ali Larijani, der Chef des iranischen Parlaments, hat gegen die Regierung Mahmoud Ahmadinejad offiziell Beschwerde eingereicht, weil sie es versäumt hat, ein Sportministerium zu etablieren; aus Julias Blog, Parlamentschef erhebt Beschwerde gegen Ahmadinejad
Vergleichbare Artikel
Weblog von Ali Shirazi:  Iran: Kräftemessen an der Spitze

Freitag, 15. April 2011

Nasrin Sotoudeh, Preisträgerin der diesjährigen PEN Award

Das amerikanische Zentrum PEN hat Nasrin Sotoudeh als Preisträgering der diesjährigen Freiheit für Schreiben, PEN/Barbara Goldsmith Freedom to Write Award, benannt. Der Preis, ein Zeichen des Respekts für internationale literarische Persönlichkeiten die für die Ausübung oder Verteidigung ihres Rechts auf Ausdrucksfreiheit verfolgt oder inhaftiert wurden, wird am 26. April 2011 in American Museum of Natural History in New York vorgestellt. Shirin Ebadi, gute Freundin und Kollegin von Nasrin Sotoudeh, wird den Preis in ihrem Namen erhalten.

Wer ist Nasrin Sotoudeh?

Nasrin Sotoudeh ist eine Anwältin, Schreiberin und Frauenrechtsaktivistin. Sie wurde 1963 geboren, erhielt 1989 ihren Magister in Jura  von Shahid-Behshti-Universität. Sie begann ihre journalistische Karriere mit melli-mazhabi (pers: national-religiös) Aktivisten für das monatliche Magazin Dariche Goftegu, später schrieb sie für die reformnahen Zeitschriften Tus, Jame-e, Sobhe-Emruz und Aban. 1922 heiratet sie und hat zwei Kinder. Im Jahr 1995 bestand sie die Anwaltsprüfung, musste aber acht Jahre lang für das Erhalten der Kanzleilizenz kämpfen. Sie ist Mitglied der Kampagne One Million Signatures oder Change for Equality. Eine Kampagne, die sich für Gleichberechtigung einsetzt (Quelle).

2008 erhielt Sotudeh den von einer italienischen Menschenrechtsgruppe vergebenen International Human Rights Award. 

Nach den verfälschten Wahlen im Jahr 2009 vertrat sie insbesondere festgenommene Oppositionelle, die im Zusammenhang mit den Protesten nach den Wahlen verhaftet oder verklagt wurden. Am 5. September 2010 wurde sie verhaftet (für mehr Information s. Die Anwältin im Hungerstreik).

Vergleichbare Artikel:
Tehran bureau: Nasrin Sotoudeh, Sentenced to 11 Years, Wins PEN Freedom to Write Award

Samstag, 9. April 2011

Offener Brief an Ahmad Zeidabadi, dem diesjährigen Preisträger der UNESCO für Pressefreiheit


Lieber Zeidoo [iranische Journalisten und Blogger die Zeidabadi mochten nannten ihn Zeidoo],

herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des diesjährigen Guillermo-Cano-Preises der UNESCO für Pressefreiheit. Ich weiß nicht, wann du benachrichtigt werden wirst, dass du dieses Jahr diesen Preis erhalten hast. Wahrscheinlich wird die Mehrheit der iranischen Bevölkerung sich über diese Entscheidung der UNESCO freuen. Ich und viele andere Menschen hoffen, dass dieser Preis dir hilft, dass du bald wieder frei bei deiner Familie sein kannst.

Lieber Zeidoo,

seit fast zwei Jahren darf die iranische Nation nicht mehr von dir lesen, bzw. du darfst nichts mehr schreiben. So lange bist du schon ununterbrochen im Gefängnis, ohne einen Tag Gefängnisurlaub zu haben. In einem Gefängnis, wo du regelmäßig Zeuge bist von Zwischenfällen und Kämpfen unter Gefangenen, die überführte Mörder, Schmuggler und Drogensüchtige sind. In einem Gefängnis, unter Aids-kranken Drogensüchtigen (+).

Schlagen dich eigentlich deine Verhörer immer noch? Oder sind sie eher mit den neuen politischen Gefangenen beschäftigt? Oder haben sie solche Schmerzen an ihren Händen, dass sie niemanden mehr schlagen können? Zeidoo, ich vermisse deine Notizen, wann dürfen Leute wie du wieder schreiben? Ich bin so ungeduldig ...

Vergleichbare Artikel:
Zeidabadis Strafe
Zeidabadi (politischer Gefangener) und seine Familie
UNESCO: Iranian journalist Ahmad Zeidabadi to receive 2011 UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Prize
Julias Blog: Ahmad Zeidabadi mit dem Guillermo-Cano-Preis der UNESCO für Pressefreiheit geehrt

Freitag, 1. April 2011

Das Leben geht weiter im Iran (2); ein Nowruz Geschenk


Wenn ich aus tausenden Kilometern Entfernung vom Iran über den Iran schreibe, bin ich auf Informationen die auf verschiedenen Weisen an mich ankommen, angewiesen. In erster Linie muss ich die Richtigkeit einer Information sicher stellen können. Das ist in der Regel kein großes Problem. Auch wenn man nie zu hundert Prozent sicher sein kann, weiß man welche Nachrichtenquellen zuverlässig und welche weniger zuverlässig sind.
Zur Not kann man auch warten, bis BBC-persisch oder eine andere zuverlässige Quelle eine Nachricht bestätigt. Über dieses Problem werde ich in der Zukunft mehr schreiben, heute schreibe ich über ein anderes Problem. Zusätzlich übersetzte ich Teil eines Artikels über den normalen Alltag im Iran. 


Wenn ich eine Nachricht auswerte und entscheiden möchte, welches Thema wichtiger ist und mit größerer Priorität hier geschrieben werden soll, kann ich mich in der Wichtigkeit der Nachricht täuschen. Es gibt Themen die man als im Westen lebender Iraner sehr ernst nimmt und andere die man weniger ernst nimmt. Reist man in den Iran für ein paar Wochen, merkt man, dass die Atmosphäre doch anders als dargestellt in zuverlässigen Medien und Blogs ist! Nein, diese Blogger Lügen nicht, die Nachrichten stimmen. Aber es gibt unwichtige kleine Informationen, die das wahre Leben im Iran zur Schau stellen. Ich spreche vom Alltag, von hohen Preisen, von illegalen Parties, von einem Sittenpolizisten der bereit ist ein Auge zu zudrücken, von Billardzentren in Irans Städten. Das ist kein neues Thema, das ist ein bekanntes Phänomen. Ein bekannter iranischer Blogger schreibt über einen fiktiven Iraner, der nach langer Zeit den Iran besucht:
" ... wenn er einmal nach Teheran reist, fühlt er sich wie ein Tourist. Er fragt sich verwundert: 'Ich las täglich die Nachrichten über den Iran. Was ist geschehen, dass ich mich hier so fremd fühle?'"
Auf dem obigen Blogbeitrag hat Arman Amiri, ebenfalls bekannter und beliebter (s. DW Blog Awards, collection of craziness) Blogger, reagiert. Er schrieb am 21.1.2011 über seinen Alltag.Teile davon übersetzte ich hier:

"Im Leben fühlt sich jeder Mensch ab und zu alleine. Auch ich war keine Ausnahme, doch in den letzten 18 Monaten war dieses Gefühl mir sehr fremd. Seit langem treffe ich überall bekannte Gesichter, ich kenne jede Person die ich treffe. Auf der Straße, in der Taxi und U-Bahn, bei der Arbeit, im Kino, überall, jeden den ich treffe, ist mir bekannt. Wir alle haben in den letzten Monaten das gleiche erlebt. Seit 18 Monaten schauen wir alle auf das Gleiche. Wir lesen die gleichen Nachrichten. Wir leiden unter den gleichen Problemen und ich glaube, dass wir gleiche Wünsche haben."

"Seit langer Zeit komme ich sehr leicht mit Jedem ins Gespräch. Hier sprechen Viele über die gleichen Probleme, das großte Problem ist 'die Arbeitslosigkeit'. [...]"

"Wir erleben in diesen Tagen eine Freiheit, die wir in dieser Form uns nicht hätten vorstellen können. Genau hier, auf Teherans Straßen und in den schwärzesten Tagen der Putschregierung, habe ich eine Freiheit, dass wahrschlich nicht einmal ein Regierender oder Anhänger der Putschregierung haben kann. An jedem Ort, in jeder Zeit, kann ich über alles sprechen und fühle mich auf Reaktionen von Fremden nicht gefährdet. Ich hatte noch nie so ein Vertrauen auf Fußgänger in meiner Umgebung. Egal wo Sie ankommen, können Sie über alles fluchen. Mit Jung und Alt können Sie über heiße Nachrichten sprechen, über politische Gefangene, Vergewaltigung in Gefängnissen. Am Ende einigen Sie sich darauf, dass 'sie gehen werden' [mit 'sie' ist die heutige Regierung, das System gemeint]. Es kann passieren, dass Sie über Mousavi sprechen und Ihr Gesprächspartner sagt, 'Mousavi ist auch ein Fuchs, sie alle müssen gehen'. Wegen solcher Meinungsunterschiede legen sich die Menschen miteinander nicht an. Als wäre die Einigkeit der Menschen kilometerlang über die politische Spiele gewachsen.  Armut, hohe Preise, Arbeitslosigkeit und tausendundeine weitere Probleme haben uns so sehr vereint, dass wir nicht mehr so leicht zu trennen sind. Vielleicht klingt es übertrieben: auch die Polizei ist ein Teil dieser Einheit: Sie können ganz einfach sich neben eines Polizisten stellen und über die Aktuelle Situation fluchen!"

[...] "Die Sittenpolizei sieht man selten. Haschisch und Esctasy sind für Jugendliche genauso normal geworden wie Zigaretten. Keinem wundert es mehr, eine Masse von Menschen zu sehen, die solche Drogen öffentlich konsumieren. Niemand versucht sie davon abzuhalten. Als ob wären solche Drogen normal und toleriert. Nur das Konsumieren von Crack, die billigste Droge, ist sehr schlecht angesehen, wahrscheinlich wegen seiner dramatischen Nachwirkungen. Trotzdem kann man in jeder Ecke von Teheran täglich einen Crack-Abhängigen finden, dessen Wunden klar infiziert sind."

[...] "Studenten sprechen hauptsächlich über zwei Themen. Das erste Thema ist die Auswanderung. Auswanderung war schon immer ein Thema, heute spricht man aber viel mehr darüber. Das zweite Thema ist Haft und Gefängnis. Als ob es keine Jugendliche mehr gibt, die nicht schon einmal verhaftet wurde; aber es ist kein Grund mehr für Sorge. Je mehr sie [die Regierung] verhaftete, je weniger wurde die Angst davor, verhaftet zu werden."

"Kurz gefasst, es geht uns gar nicht so schlecht. Wir sind bei einander und besuchen einander. Hier verlieben sich noch die Menschen. Ich denke, in einem Land wo die Liebe noch existiert, gibt es noch Hoffnung und Leben."

Das war mein Nowruz Geschenk für die Leser! Ich hoffe, Sie hatten Spaß beim Lesen.

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