Dienstag, 31. Mai 2011

Ein wahrer Freiheitsheld stirbt; Ezatollah Sahabi

Ich denke, jeder Mensch hat einen Lieblingspolitiker. Sahabi war mein Lieblingspolitiker. Heute ist er gestorben. Im Alter von 81, zu früh.

Die iranische Bevölkerung, insbesondere Studenten konnten noch viel von ihm lernen und seine Ratschläge gebrauchen.

Politische Aktivitäten in Kürze

15 Jahren seines Lebens verbrachte er in den Gefängnissen von Schah und der islamischen Republik. Politisch aktiv wurde er im Jahr 1953, im Alter von 23, nach der Operation Ajax, auch bekannt als CIA-Putsch vom 1. Juli.
In den Zeiten vor der islamischen Revolution war er zweimal für seine journalistische Aktivitäten im Gefängnis. Nach der Revolution wurde er unter anderem Abgeordnete des ersten Parlaments, meiner Meinung nach das einzige demokratisch- und halbwegs frei-gewählte Parlament in der Geschichte der islamischen Republik, und Leiter der Planung und Budget unter Mehdi Bazargans Regierung. Er war aber auch Mitglied der "Versammlung der Experten für Verfassung", die die neue iranische Verfassung zum letzten mal  analysieren und dem Volk zur Wahl vorstellen wollte. In dieser Versammlung sprach Sahabi gegen das Prinzip des Obersten Rechtsgelehrten und distanzierte sich von den islamischen Fronten des Systems und wurde im Jahr 1990 verhaftet.

Später veröffentlichte er die Zeitung Iran-e-Farda (Iran von Morgen), zeitweise die kritischste oppositionelle Zeitung im Iran. Im Jahr 2000 wurde er nach der Teilnahme in der sogenannten "Berlin Konferenz (Iran after ther election conference)"verhaftet und zusätzlich wegen der Teilnahme an den Studentenprotesten vom Juli 1999 wegen "Propagandaverbreitung gegen des Systems und Beleidigung der Behörden" zu 11 Jahren Haft verurteilt. Er erzählte später, dass er von der Studentenorganisation Tahkim-e-Vahdat eingeladen wurde, um für Studenten zu sprechen:
"Ich habe ihnen gesagt, aus der Universitätsgelände nicht raus zugehen, weil es für sie geplant wurde, dass sie raus gehen um später niedergeschlagen zu werden" (1).
Viele namhafte Politiker wie Tajzadeh hatten versucht, die Studenten von den Plänen der Ansar-e-Hezbollah, eine islamistische Organisation zu warnen. Studenten hörten aber nur auf Sahabi. Ein Blogger schreibt über diesen Tag: "Keiner hat es geschafft [die Studenten zu überzeugen] bis er (Sahabi) kam. Ein alter man mit zitternden Händen und starken Wörtern".

Im Gefängis schrieb Sahabi einen Brief an die iranische Justizbehörden und forderte sie, ihn zu töten. Der Brief kam raus und der Fall wurde international bekannt (s. z.B. diesen Artikle von New York Times). Sahabi kam daraufhin frei.

***

In einem Brief schreib Sahabi im Anbetracht der Situation der politischen Gefangenen nach den gefälschten Wahlen im Jahr 2009: "großer Gott, ändere unsere Situation oder töte mich". (2)

Sahabi hat sechs Jahrzehntelang für Freiheit gekämpft, sie aber nie erreicht. Er gab trotzdem nie auf. Einer seiner letzte Wprte vor dem Tod waren: "Ich konnte nichts für mein Land tun".

Quellen:
1, 2, BBC-Persian, Deutsche Welle- Persisch

Vergleichbare Artikel:
Khordad88 Ezatollah Sahabi’s Open Letter
Iran Green Voice Prominent political figure Ezatollah Sahabi dies at 81
Pedestrian Farewell

Donnerstag, 26. Mai 2011

"Begräbnis des Fußballstars Naser Hejazi wird zur Kundgebung" + Videos

Julias Blog - Bei der Begräbnisprozession für die iranische Fußball-Legende Naser Hejazi haben Trauernde mit Parolen gegen den obersten Führer Ali Khamenei protestiert und die Freilassung der beiden unter Hausarrest stehenden  Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi gefordert. Zum Artikel und zu den Videos

Sonntag, 22. Mai 2011

"Ich will weder Blutgeld noch Vergeltung, lassen sie die politischen Gefangenen frei"



Als ich das folgende Interview las, war ich sprachlos. Sprachlos vor so viel Menschlichkeit. Es gibt ein paar sehr wichtige Neuigkeiten, die ich hoffentlich bald hier schreiben werde, aber dieses Interview hatte für mich eine besondere Priorität. Diese Worte waren mir wichtiger als jede Nachricht. Lesen sie selbst, ich bin sprachlos ...


[Übersetzung] Mostafa Karim-Beigi مصطفی کریم بیگی ist ein Todesopfer der Straßenproteste von Ashura 2009. Seine Mutter sagte in einem Interview mit der Webseite Jaras:

"Wir wollten nicht einmal Vergeltung, aber nach so viel Zeit hat uns noch niemand gesagt wer der Mörder meines Sohnes ist. Ich wünschte, dass Menschenrechtsorganisationen nicht nur den Namen vom Menschen mit sich tragen. Sie sollten ihre Vertreter in den Iran schicken, um die Rechte der Jugendlichen, die unbewaffnet protestierten und mit Waffen getötet und verhaftet wurden, zu verteidigen, ."
"Ich habe einen Mostafa verloren, aber fand viele neue Mostafas, die in Ecken von Gefängnissen sitzen. Alle junge Menschen, die getötet wurden sind wie meine eigenen Söhne, die die im Gefängnis sind, gehen den Weg wie mein Sohn und wollen, dass das Blut unserer Söhne nicht verschwendet wird. Deswegen, als uns und vielen anderen Todesopfer nach den Wahlen gesagt wurde: Kommt und nehmt Blutgeld, sagte ich, das Blut meines Kindes ist mehr wert als diese Gelder. Das Blutgeld meines Kindes ist die Freiheit meiner anderen Kinder, die im Gefängnis sind."
"Ich habe mein Kind verloren und werde diesen Schmerz bis in den Tod in der Brust mit mir tragen, aber ich kann es nicht mehr aushalten, dass andere Mütter auf ihre Kinder [die im Gefängnis sind] warten müssen."
 [...]
"Ich lebe in der Hoffnung und denke, dass eines Tages das Blut unserer Kinder in Schreie umgewandelt wird, weil mein eigener Sohn selbst für das Blut anderer auf die Straße ging, die an den vorherigen Tagen auf die Straßen gingen und starben. Als ich mir Sorgen um ihn machte, sagte er, dieses Blut muss vergossen werden, damit wir Freiheit erreichen können".
[...]
"Ich hatte einen Sohn und habe jetzt eine Tochter. Meinen Sohn haben sie nur wegen eines Protests getötet. Dann, damit wir nicht reden, haben sie uns angedroht, dass wir eine junge Tochter haben. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Sie sollen kommen und mich töten, meine Tochter töten, ihren Vater auch töten. Werden dann alle Probleme gelöst? Sie sollen alle Protestierenden im Iran töten; werden dann die Probleme gelöst? Werden Probleme durchs Töten gelöst? Warum immer Krieg? Warum nicht reden? Sie haben die Gefängnisse voll gestopft. Ich habe überall gesagt, das Blutgeld meines Kindes ist die Freiheit der politischen Gefangenen. Ich habe viele Jungen und Mädchen gefunden, die für gleichen Ziele wie Mostafa verhaftet wurden. Kinder, die für das Weitergehen des Weges von Menschen wie Neda, Sohrab, Ashkan, Ahmad Nejati-Kargar, Shabnam, Amir Javadi-Far, Mohammad Mokhtari und vielen andere im Gefängnis sind."
"Bitte schreiben Sie in meinem Namen, dass die Mütter von Mostafas die Freiheit der verhafteten Jungen und Mädchen wollen. Denn ich weiß, der Wunsch aller trauernden Mütter ist die Freiheit für politische Gefangene."
Sie erzählt weiter:
" ... Töten sie auch ihre eigenen Kinder, wenn sie protestieren? Haben sie nicht gedacht, dieser Junge hat eine Mutter, die auf ihn wartet? Haben sie nicht gedacht, er hat eine Schwester, die für immer warten wird? ..."
Quelle (pers.): http://masihalinejad.com/?p=3638

Mittwoch, 18. Mai 2011

Die Schwierigkeiten der Studentenbewegung

Am vergangenen Sonntag, den 15. Mai, haben die Studenten mehrerer Universitäten landesweit gestreikt und protestiert. Die Anzahl der Demonstranten war nicht besonders hoch, aber kleine Proteste haben statt gefunden. Kann man trotzdem vom Erfolg sprechen? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir was passiert ist:

Eine Gruppe hatte vor zwei Wochen per Internet einen Statement veröffentlicht, in dem sie die Studenten zu landesweiten Protesten aufrief; Unterschrift: "eine Gruppe von grünen Studenten im Iran". Dabei gab es aber mehrere Probleme:

1. Woher sollte man wissen, dass der Statement überhaupt von Studenten geschrieben wurde? Studentische Aktivisten im Iran mit denen ich direkt oder indirekt im Kontakt bin, wussten bis einigen Tagen vor dem Sonntag gar nichts über diese Aktion. Es ist natürlich wichtig, dass Studenten im Iran selbst die Entscheidung treffen, ob Proteste statt finden sollen oder nicht, weil sie die Lage im Land am besten einschätzen können. Sie müssen in erster Linie den Preis einer solchen Aktion zahlen.

2. In dem Statement wurde geschrieben, dass Studenten die Hilfe vom Koordinationsrat des Grünen Pfades der Hoffnung, dessen Mitglieder von Moussavi und Karroubi vor Beginn ihres Hausarrests gewählt wurden, benötigen. Wenn der Rat sie nicht unterstützen würde, "würde die Aktion scheitern, weil es momentan Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den studentischen Aktivisten gibt", hieß es in dem Statement! In schwierigen Zeiten kann man um Hilfe bitten, könnte man meinen. Eine erfahrene Gruppe wurde aber nicht von vorne rein sagen "ohne eure Hilfe würden unsere Aktion scheitern", sie wurde gar nicht vom Scheitern sprechen. Sie wurde zur Not vorher mit dem Rat Kontakt aufnehmen.

Wenn wir annehmen, dass der Statement wirklich von einer Gruppe von Studenten im Iran geschrieben wurde, müssten wir zugeben, dass diese Gruppe sehr unerfahren ist und in keinem Kontakt mit den erfahrenen Aktivisten steht. Ein Grund dafür könnte das Verbot aller studentischen Organisationen -Bassij ausgenommen- in den letzten Jahren sein. Die Kommunikation zwischen den Aktivisten ist in den letzten Jahren sehr schwierig geworden.

3. Der Koordinationsrat hat die Aktion nur auf einer ihrer Webseiten indirekt unterstützt, indem er geschrieben hat, "man müsse Studenten unterstützen". Der Koordinationsrat hat Zugang zu zahlreichen Webseiten. Er ist aber sehr vorsichtig und kooperiert außerdem nur mit sehr wenigen Gruppen. Kennt er eine Gruppe nicht, gibt es wahrscheinlich keine Chance zur Kooperation. 

 Ghasemi-Nejad, 
Sprecher von "liberalen Studenten und Absolventen vom Iran"

4. Die Aktion wurde nur von 30 im Ausland lebenden studentischen Aktivisten unterstützt. Voice of America (VoA) lud am Montag zwei studentische Aktivisten ein, die im Ausland leben: Said Ghasemi-Nejad, Sprecher von "liberalen Studenten und Absolventen vom Iran"  und Mostafa Khosravi, Mitglied von Tahkim-e-Vahdat (Videos unten). Der erste unterstützte die Aktion aus obigen Gründen nicht, der zweite unterstütze die Aktion um mögliche Proteste zu stärken. Beide sind sich einig, dass die unbekannte studentische Aktivisten im Iran Kontaktpersonen im Ausland brauchen.  Diese könnten zukünftig bestätigen, dass eine Aktion wirklich vom Iran und von der Universität vorgeschlagen wurde. Jeder weiß, dass dies möglich ist, weil viele iranische Studenten im Ausland leben. In der Regel hat jeder Student Freunde im Ausland.

Khosravi,
Mitglied der Studentenorganisation Tahkim-e-Vahdat

Khosravi sieht die Aktion vom Sonntag als eine Übung für die zukünftigen Proteste. Ein wichtiger Schritt, die neuen Strukturen von studentischen Organisation zu stärken.

Man darf auch nicht vergessen, dass auch wenn die Demonstrationen vom Sonntag nicht sehr erfolgreich waren, es wurde trotzdem erfolgreich gestreikt.



Montag, 9. Mai 2011

Regieren "Wahrsager" und "Geister" den Iran?

Spiegel-Online:
"Irans Präsident Ahmadinedschad bedient sich übernatürlicher Kräfte, um im Machtkampf mit Ali Chamenei zu bestehen. Das behauptet zumindest das Lager des Ajatollah"
Man konnte meinen, Mousavi und Karroubi hätten dies vorhergesagt:  

Mousavi in seiner Wahlkampagne, 2009: "Die nächste Regierung wird eine Regierung der Spezialisten sein. Eine Regierung, die die Institute die dieses Volk aufgebaut hat, benutzen wird. Sie wird nicht eine Regierung der Wahrsagerei und Handlesens sein"

Karroubi vor den Wahlen 2009, bezeichnete die Regierung Ahmadinedjads als eine Regierung, die "das Regieren, den Geistern überlassen will"

Samstag, 7. Mai 2011

"Chamenei kann Ahmadinedjads Frau von ihm trennen"


Nach zwei Wochen halten die "Meinungsunterschiede" zwischen Chamenei und Ahmadinedjad über den Informationsminister Moslehi weiterhin an. Chameneis "Anhänger" erinnern Ahmadinedjad
andauernd daran, dass er dem obersten Führer gehorchen muss. Am Freitag, den 6. Mai, sagte Sedighi, Teherans dieswöchiger Freitagsprediger:
"Ein Minister Ahmadinedjads sagte mir, dass wir glauben, wenn der Herr [Ajatollah Chamenei] die Frau des Präsidenten [von ihm] trennt, dann ist sie ihm Haram (islamrechtlich verboten; gegenteil von Halal) und er darf sie nicht mehr anfassen"
v. l. n. r.: Ahmad Khatami, Sedighi

Er sagte weiterhin, dass der Revolutionsführer über dem Gesetz stehe. (1)

Ahmad Khatami, Mitglied des Wächterrats, der eine Woche davor in seiner Freitagspredigt Ahmadinedjad kritisierte, sagte in einem Interview mit dem Magazin Shoma (Übers.: 'ihr'): "Ahmadinedjad hat offensichtlich Probleme mit dem Führer" und dass Ahmadinedjad mit Hilfe von Chameneis Anhängern an die Macht gekommen sei. Er erwähnte, dass in der zweiten Periode der Präsidentschaft Chameneis in den 80ern Chamenei nicht wollte, dass Mousavi Premierminister bleibt (2).

Quellen:
(1) die Audioaufnahme des Freitagspredigers 
(2) BBC-Persisch

Vergleichbare Artikel:
BBC: Row between Iranian leaders comes to a head
Tehranbureau: Ahmadinejad-Khamenei Rift Deepens into Abyss
Guradian: Iran's supreme leader tells Ahmadinejad: accept minister or quit