Donnerstag, 27. Oktober 2011

Clintons Interviews mit BBC- und VoA-Persisch (mit Videos in Englisch)

Die US-Außenministerin ließ sich am Mittwoch von persischsprachigen Sendern BBC und VoA interviewen. Sie kündigte in den beiden Interviews die Gründung einer virtuellen US-Botschaft in Teheran an, mit der die iranische Bevölkerung einfacher amerikanisches Visa beantragen kann. 

Insgesamt stellte Bahman Kalbasi von BBC die schwierigeren Fragen als Kambiz Hosseini, Moderator der Erfolgsendung Parazit (Irans Harald Schmidt) mit mittlerweile über 700.000 Facebook-Fans. Beispielsweise wurde Clinton über die Doppelmoral der US-Außenpolitik gegenüber Ländern wie Bahrain und Syrien einerseits und Saudi-Arabien anderseits gefragt. Im Interview sieht man außerdem, dass viele die US-Sanktionen nicht gutheißen, weil diese "viel mehr das iranische Volk treffen als das Regime". Glücklicherweise konnte ich die englische Version der Interviews finden:

Secretary Clinton Interview With BBC Persia


Clinton Tells VOA: US Seeks More Interaction With Iranian People


Im Interview spricht Clinton von einem außenpolitischen Fehler in der amerikanischen Geschichte bezüglich Iran. Sie spricht von Operation Ajax, auch bekannt als CIA-Putsch 1953.

Montag, 24. Oktober 2011

Wieso Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte (1)

Teil 1 - Einleitung

Wir, Generation 80er, richteten oft unsere Zeigefinger vorwurfsvoll auf vorherige Generationen und sagten: "ihr seid schuld. Ihr seid schuld dran, dass wir so schlecht leben müssen. Ihr habt revolutioniert und unser Land in die heutige Lage gebracht".  Wir sind natürliche Produkte einer fanatischen Revolution: Wir sind ihr Gegenteil.



Iran, ein Land, in dem die Geschichte rückwerts ging: (fast) die ganze Welt befreite sich von theokratischen Systemen und wurde säkular, Iran aber ist am Ende des 20. Jahrhunderts islamisch geworden! "Wie kann es sein, dass ein Land mit einer alten Kultur so einen Weg einschlägt? Wer hat daran Schuld? Was war schief gelaufen?" Das sind Fragen, die mir nicht selten gestellt wurden.

Wie erblindend kann eine Revolution sein?

Nein, ich bin kein Anhänger der Pahlavi-Dynastie. Ja, es ist mir bewusst, dass in den Zeiten des Schah  Dichter wie Shamlou und Akavan-Sales politische Gefangene waren. Ich weiß auch, dass in der Zeit politische Gefangene gefoltert wurden. Trotzdem gab es in der Schah-Zeit mehr Freiheit als vor der Revolution. Das behaupten auch Alt-Revolutionäre wie Karroubi, Mousavi und Tajzadeh. Tajzadeh z.B. sagte vor den gefälschten Wahlen von 2009, dass vor der Islamischen Revolution der Religiöse in die Moschee gehen dufte, während der Nichtreligiöse im Weinkeller seinen Wein trinken konnte. Damit meinte er, dass es in der Schah-Zeit Freiheiten gab, die es heute nicht mehr gibt.

 Als der Schah den Iran verließ, 
warf sich ein Kommandant auf seine Füße
und sagte: 
"Euer Majestät, gehen Sie nicht.
Was ist mit uns?"

In der Schah-Zeit ging es der Mehrheit der Bevölkerung wirtschaftlich besser als heute. Der iranische Pass war etwas wert, wie Mousavi in seinem Wahlduell im iranischen Fernsehen mutig erwähnte (ja, dazu gehört im heutigen Iran Mut)! Es gab damals keine illegale Musik. Ja, es gab Bücher, die verboten waren, und das ist definitiv nicht gut.

Ich glaube nicht an Engel und Monster. Oft werden aber historische oder politische Personen als Engel oder Monster dargestellt. Damit habe ich ein Problem, weil diese Art von Schwarz-Weiß-Malerei einer sinnvollen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart im Wege steht.

Es geht mir darum, dass man im Jahr 1979 die Situation des Landes nicht verschlechtern musste, weil es Probleme gab. Und es war sogar möglich eine Demokratie im Iran zu gestalten. Eine Demokratie wie in Frankreich [1]. Dumm nur, dass Irans Intellektuelle die Geschichte des eigenen Landes nicht kannten oder ignorierten und die Fehler der Konstitutionellen Revolution, aber auch andere historische Geschehnisse der zeitgenössischen Geschichte des Irans wiederholten.

***


Wir, die erste Generation, geboren nach der Revolution 1979, waren anti-revolutionär.
Wir waren der Meinung, dass eine Revolution die Situation eines Landes schlimmer machen kann.
Wir glaubten, dass Reformen die einzig richtige Lösung für unser Land sein könnten.
Im Jahr 2009 aber ...

Viele von uns glauben noch heute daran, viele nicht mehr.

Wundert es Sie, dass viele Iraner das Wort "Revolution" bewusst vermeiden wollen und statt dessen von "Grüner Bewegung" sprechen? Man liest, unser Land habe eine Revolutionsdichte von 30 pro 100 Jahren. Stolz sind wir aber nicht darauf.

Schapur Bakhtiar

In den nächsten Wochen werde ich über die verschiedene Gründe schreiben, warum Iran sich in einen Gottesstaat verwandelte. Wir werden sehen, wie Iraner eine historische Chance, namens Schapur Bakhtiar, verpasst haben. Und dieser Name, Bakhtiar, wird in allen Teilen vorkommen. [2]

Fußnoten

[1] Ajatollah Chomeini behauptete während seines Exils in Paris, dass seine erwünschte Republik eine Republik wie Frankreich sei. Jeder weiß heute, dass er damals log.

[2] Ich kenne keinen einzigen iranischen Aktivisten oder nicht-staatlichen Experten, der diese Aussage gänzlich bestreitet, nicht einmal seine früheren Gegner.

Sonntag, 9. Oktober 2011

74 Peitschenhiebe wegen "Beleidigung Ahmadinedjads"


Der Student Peyman Aref (پیمان عارف) wurde für "Beleidigen des iranischen Präsidenten" [1] 74 mal ausgepeitscht. Iran ist nunmal die freieste Republik der Welt.

Sie sehen die Fotos nach dem Auspeitschen:







Fußnote: 
[1] Ahmadinedjad ist nicht unser Präsident. 

Vergleichbare Artikel:Julias Blog: Studentischer Aktivist Peyman Aref nach Auspeitschung freigelassen 
The Guardian: Iranian lashed 74 times for 'insult' to Ahmadinejad

Freitag, 7. Oktober 2011

Fotos aus dem Iran - "Ausländische Partner des Militärs"





"Autoritätstraining in der Anwesenheit von ausländischen militärischen Partnern", schreibt Ayandeh News. Die Trainingsfotos können Sie sich auf meinem englischsprachigen Blog anschauen +.

Montag, 3. Oktober 2011

Wenn alles was Spaß macht verboten ist

Eine junge Frau starb auf der Flucht vor der Polizei bei einer Party-Razzia. Sie sprang sprang aus dem 6. Stockwerk eines Gebäudes in den Tod. Leider ist das Schicksal der jungen Frau aus Mashhad kein Einzelfall. mehr auf Julias Blog.