Dienstag, 17. Januar 2012

Farhadis Golden Globe löst Freude im Iran aus - die Gründe

v.l.n.r.: Asghar Farhani und Peyman Moali 

Ein Land feierte, als Madonna am Montag die frohe Botschaft brachte: "And the Golden Globe goes to Iran, A Separation". "Nader und Simin -Eine Trennung" wurde am Montag als bester ausländischer Film mit einem Golden Globe Award ausgezeichnet. Madonna sprach "Iran" übrigens richtig aus: sie sagte Iraan [I'ra:n], und nicht wie in den USA üblich Aayraan [A:ira:n]  oder Ayraan [æira:n].

Lesen wir warum diese Freude sehr groß war.


1. Endlich macht ein Iraner eine positive Schlagzeile. Eine gute Nachricht nach vielen schlechten Nachrichten ist eine besonders gute Nachricht.

Graphik von Hadi Hedari -
Shargh (Tageszeitung im Iran)
2. Ein Volk fühlt sich blamiert wegen der Reden seiner Politiker, die im Namen des iranischen Volkes gehalten werden, während das iranische Volk keine Stimme hat. Die Medien schreiben täglich über die Iran-Konflikte.

Doch auf einmal kommt Asghar Farhadi auf die Bühne. Er entscheidet sich nicht über seine Familie zu sprechen. Er entscheidet sich über "seine eigenen Leute zu sprechen" und sagt in einem Satz: "They are truly peace loving people". 

Ein Land freut sich, ein gutes Sprachrohr gefunden zu haben. Videos der Preisvergabe verbreiten sich rasant auf Facebook. Menschen gratulieren sich gegenseitig und erzählen einander, dass sie Tränen in den Augen hatten, als Asghar Farhadi seinen Preis bekam. Es wurde schon spekuliert, dass Nader und Simin - eine Trennung den Preis gewinnt. Viele blieben deshalb wach und verfolgten die Preisvergabe über Satelliten-Empfänger. 


 v.l.n.r.: Almodovar, Angelina Jolie and Asghar Farhadi

3. Asghar Farhadi brach eine Sitte der Islamischen Republik, indem er Angelina Jolie die Hand gab. Im Iran darf ein Mann in der Öffentlichkeit nicht eine Frau anfassen, er darf auch nicht ihre Hand berühren. Für die Prominenten gilt dieses Gesetz auch im Ausland. Normalerweise halten iranische Regisseure sich an dieses Gesetz, ausländische Moderatorinnen helfen ihnen dabei: Madonna gibt Asghar Farhadi den Preis und verschwindet, ohne Farhadi zu küssen. Sie möchte ihm keine Probleme im Iran machen. Farhadi gab aber während der Zeremonie Angelina Jolie die Hand und wird jetzt von konservativen Seiten angegriffen, weil er die diplomatischen Sitten verletzt habe! Brechen solcher Tabus macht Personen im Iran beliebt. Mousavi beispielsweise gewann an Beliebtheit, als er in der Öffentlichkeit die Hand seiner Frau hielt und damit ein kleines Tabu brach. Asghar Farhadi hat aber noch mehr gemacht: er repräsentierte den nicht weltfremden Teil der Iraner. Und genau dieser Teil der Iraner, den er repräsentierte, freute sich sehr für ihn.


"Asghar, nimm den Preis bevor Madonna dich küsst", von Mana Neyestani

Vergleichbare Artikel: 
Teil des Artikels von PBS: 
"And the humorous Iranians have found Sunday night's ceremony an occasion to crack yet another joke. A text message has become popular in mobile networks across the country: "This was our Asghar [little brother], wait until our Jafar [big brother, referring to Jafar Panahi] gets out of jail." In that short line, one can detect Iranians' thirst for involvement in the global community and their hunger to show off their pride in their cultural heritage and artistic output. One only can wonder what they might achieve."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen