Donnerstag, 26. September 2013

Im Außenpolitik sind Worte genau so wichtig wie Taten


"Den Iran an seinen Taten messen", fordert Joseff Joffe. Klar, Iran muss seine Politik ändern. Aber Außenpolitik besteht zur Hälfte aus Worten:

Worte können "Holocaust war ein Märchen" oder "Holocaust war eine Katastrophe" sein; "Attacke" oder "Frieden" sein. Es sind Worte, die sich in Taten umwandeln. Klar ist man gegenüber Irans neuer Regierung skeptisch, dafür gibt es gute Gründe. Es kommt aber ein neuer Ton, den man zunächst begrüßen sollte.

Worte können zum Beispiel bewirken, dass Präsidenten zweier Länder sich nach 35 Jahren die Hand geben. Vielen mag es Manchen nicht passen, wenn der Lieblingsfeind nicht mehr ein Feind bleibt. Viele Gruppen leben tatsächlich von dieser Feindschaft (sowohl im Iran als auch im Westen). Aber die meisten Bürger wünschen sich Frieden und Öffnung.



Kambiz Hosseini, der beliebteste iranische Komiker gibt 10 Ratschläge an Rouhani, was er während seines New York Besuchs nicht machen soll. Einer davon ist, dass Rouhani sich nicht vor dem Händeschütteln auf dem Klo verstecken soll! Im Jahr 2000 wollte tatsächlich der ehemalige US Präsident Clinton, Khatami die Hand geben. Khatami versteckte sich solange auf der Toilette, bis Clinton die Botschaft verstand und verschwand! Khatami hatte Angst vor den Hardliner im Iran. Rouhani hat bisher aber viel mehr Mut bewiesen als Khatami. Und genau das weckt viel Hoffnung zwischen den Iranern. Es gibt sogar ein Rap Song, dass Rouhani und Obama auffördert, Hände zu schütteln.

Der einzige Weg Frieden zu schließen ist, dies zu versuchen. Es scheint, dass diese Gelegenheiten einmalig ist. Man sollte sie zumindest nutzen.

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Kommentare:

  1. GERADE nette Worte sind ein Grund, misstrauisch zu werden.
    Aus der deutschen Geschichte: nach der Machtergreifung 1933 wollte Hitler nur eins: aufrüsten. Das hat er natürlich nicht gesagt, er ließ seine zukünftigen Feinde nicht nur im Unklaren, sondern belog und täuschte sie. Immer wieder beteuerte er seinen Willen zum Frieden. Nichtangriffspakte und Abkommen wurden geschlossen, um den Gegner im Sicheren zu wiegen. Dennoch konnte er halb Europa annektieren. Die "freundlichen" Worte vernebelten die Entschlusskraft der anderen Länder.

    Genau dies ist das Motiv der iranischen Regierung. GERADE in der Geschichte Irans gibt es solche "Vernebelungsaktionen". Wer tatsächlich aufrichtig und offen sein will, braucht solche Worte nicht!
    Man betrachte die TATEN Baschar Al Assads. Ohne viel Aufhebens ließ er SOFORT nach dem Giftgasangriff UN-Spezialisten einreisen, das Angebot, seine Chemiewaffen zu vernichten, nahm er noch am SELBEN Tag an, innerhalb EINER Woche ging ein Plan der einzelnen Standorte raus.

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    1. "Wer tatsächlich aufrichtig und offen sein will, braucht solche Worte nicht!"

      Das stimmt nicht. Wer auch immer heute Iran regieren möchte braucht das. Rouhani hat innenpolitisch einige wichtige mutige Sachen gemacht, u.a. dürfen jetzt einige studentische Aktivisten wieder sich in die Unis einschreiben. Er hatte dies in den Wahlen oft gesagt. Es gibt auch andere innenpolitische Vortschritte. Darüber schreibe ich, wenn die Zeit erlaubt, in der Zukunft.

      Ich habe nur geschrieben, dass in Außenpolitik Worte genau so wichtig sind wie Taten. Auf Taten warten wir. Gute Taten loben wir, die Schlechten werden wir kritisieren.

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  2. Gerade Iran - und besonders in der Nuklear-story - hat gelogen, dass sich fast jeder auf der Welt den Sanktionen angeschlossen hat. JEDER fühlte sich betrogen und belogen. GERADE vom Iran erwartet man keine Worte, denn davon gab es genug.

    Nur weil ihr euch von seinen Worten einschläfern lasst, muss die internationale Gemeinschaft das nicht auch tun.

    Rouhani war nicht im Geringsten!! mutig. Er ist Statist in einem Schauspiel wie ihr Iraner.

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    1. Ich habe selten einen Statist gesehen, der von der "internationalen Gemeinschaft" ( http://www.haaretz.com/news/middle-east/1.549138 ) so viel Aufmerksamkeit bekommt.

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  3. Dann will ich mal dein Gedächtnis auffrischen: Ahmadinejad war auch nur Statist und am Anfang seiner Regierung in allen Medien.

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    1. Meinst du vielleicht Marionette? Aber dann nicht wie "wir Iraner" ;)

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  4. Auch wenn es unbequem ist: Iran ist eine Diktatur!
    Vor 2 Jahren gab es eine auffällige Neigung, den Druck auf die Bevölkerung zu erhöhen. Repressalien traten gehäuft auf. Das khone cinema wurde geschlossen. Professoren entlassen, Studenten ausgeschlossen. Kleidervorschriften verschärft. Unpopuläre Gesetze beschlossen. Das alles wird der Regierung Ahmadienjads zugeschrieben, aber das ist in diesem Umfang gar nicht möglich ohne die Zustimmung der Justiz, des "Parlaments" und Khameneis.
    Wenn man eine Zeit unter Druck gestanden ist, wiegt die Erleichterung schwerer.
    Das heißt: das Rückgängigmachen dieser Repressalien wir heute dazu benutzt, eine "Erleichterung" bzw Änderung vorzutäuschen.
    In einer Diktatur ist das möglich!

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  5. Ich antworte brav auf deine Argumente. ;-)

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    1. Nein, überhaupt nicht. Ich habe das Gefühl, dass du viel zu viel in meine Texte reininterpretierst.

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  6. "Rouhani hat innenpolitisch einige wichtige mutige Sachen gemacht, u.a. dürfen jetzt einige studentische Aktivisten wieder sich in die Unis einschreiben. Er hatte dies in den Wahlen oft gesagt. Es gibt auch andere innenpolitische Vortschritte"

    Das hast du als Argument angeführt, Rouhanis Worten Glauben zu schenken.

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  7. Un wo kann ich dann meine Beobachtungen und Argumente angeben, dass die Wahl zum Präsidenten genauso gefälscht war wie diejenige 2009?

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    1. Wenn du willst kannst du gerne einen Gastartikel verfassen. Ich werde es veröffentlichen. Oder irgenwie, dass man versteht, dass es mit dem aktuellen Beitrag nichts zu tun hat und nicht durcheinander kommt. Oder zu einem passenden Artikel kommentieren.

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  8. Wozu braucht es noch Krimis und Actionfilme, wenn man die Politik hat? Solch ein gut inzeniertes Theaterstück bekommt man selten geboten.
    Wie antwortet man auf eine Charmeoffensive? Ebenso charmant. Denn die Welt schaut zu und leicht kann man sich stinkend machen. Keiner möchte sich die Blöße geben, auf freundliche Worte unfreundlich geantwortet zu haben.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesident-obama-spricht-mit-irans-praesident-rohani-a-925021.html

    Aber das ist alles nur für die Bühne und die Schauspieler kennen ihre Rollen genau. Die Iraner haben die "Sprache" des Westens gelernt und der Westen kennt die Spielregeln orientalischer Politik.

    Mal was Kritisches: Der Zweck des Lächelns:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-praesident-rohani-bei-der-uno-in-new-york-a-924801.html
    Nur dass Rouhani gegen das Misstrauen der Hardliner im eigenen Land kämpfen solll, kann ich nicht wahrnehmen. Ein paar deuten Bedenken an, alles andere würde aber Misstrauen erwecken. Er bekommt im Gegenteil von wichtigen Personen Unterstützung. Man höre sich diesen Kommentar von Armee-Chef Firouzabadi an:
    “The words of our dear president also had an internal message, in which he said ‘we must not only tolerate our opponents, we must work with them.’”
    “With this political wisdom, Mr. Rouhani put the Reformist slogans behind, and opened new ways of solidarity, spirit, and national cooperation.” Hoffentlich wachsen ihm keine Blumen aus dem Hintern...

    Oder Khamenei, der wie nebenbei den Begriff "Heroic flexibility" fallen lässt - ohne weitere Erklärung -, der Titel seines Buches, in dem er den Friedensvertrag Hassans mit dem Kalifen beschreibt. Als würde auch er es ernst meinen mit dem Frieden.
    Das gehört alles zum Theaterstück. Nichts davon ist zufällig oder spontan.
    Hier kann man getrost alle Illusionen fallen lassen.

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