About


 7.2.2012
Zu meiner Person

Geboren wurde ich in den 80ern, kurz nach einer fanatischen Revolution, während eines Krieges. Doch behaupte ich wie die meisten Leute meiner Generation, dass ich keine schlechte Kindheit hatte. Vielleicht lag es daran, dass der Iran-Irak-Krieg - von ein paar Tagen abgesehen - nicht alle Regionen Irans schwer traf. Es wird viel über Iraner meiner Generation geschrieben. Oft liest man: "die Generation, die keiner versteht", "die Generation, die gerne über sich erzählt", "die Generation, die den Iran ändern will" oder "Generation ohne Werte", und so weiter. Ich sehe meine Generation als eine Generation, die von vielen politischen Gruppen hören musste: "du musst das tun, höre auf uns, die anderen wollen dich nur ausnutzen, du hast keine Ahnung, wir haben viele Erfahrungen, vertraue uns, wir wissen wie man dies und das machen kann". Manche radikale religiöse Gruppen (oder besser gesagt, unsere islamische Regierung) versuchen uns mit Beschimpfungen zu gewinnen. Interessanter ist aber, dass manch Gegner der Regierung mit gleicher Rhetorik, aber gegenteiligem Inhalt (u.a. auch islamfeindlich) uns ansprechen beschimpfen, mit der Hoffnung, dass wir bei ihnen eine Zuflucht finden! Die beste Antwort, die wir für alle diese Menschen haben, ist: "go fuck yourself". Ich glaube, dass dies der Grund ist, dass die Bloggerin von Pedestrian unsere Generation "generation go fuck yourself" nennt. 

Irgendwann verließ ich, so wie viele andere Iraner, meine Heimat, um das Leben in einem freien Land genießen zu können. Ich fühlte mich von Anfang an wohl in Deutschland und fand schnell viele deutsche Freunde. Meine Antwort darauf, ob ich Schwierigkeiten hätte mit der deutschen Kultur zurechtzukommen, war schon immer ein Nein.

Ich bin ein normaler Mensch mit all seinen Bedürfnissen und Problemen und habe nicht unbedingt vor, in die Geschichte einzugehen. Was hätte ich davon? 

In meiner momentanigen Verfassung ist 1984 mein Lieblingsbuch und ich liebe Theaterstücke von Sartre. Der Leser dieses Blogs weiß, dass ich auch persische Gedichte sehr mag.

Zur Zukunft der Demokratiebewegung im Iran

Heute kann ich Nasrin Sotoudeh und die anderen politischen Gefangenen im Iran nicht befreien. Die Nachrichten bezüglich der Menschenrechtsverletzungen im Iran überholen uns und ich werde nicht dazu kommen, über sie alle zu berichten. Deshalb bin ich froh, dass es weitere Blogs auf Deutsch gibt, die das machen, vor allem Julias und Arshama3's Blog, und natürlich viele andere professionelle Webseiten.

Viele mögen der Meinung sein, dass die Demokratiebewegung im Iran gestorben ist. Ich denke aber, dass ein Kind oft auf den Boden fallen muss, bis es laufen lernt. 

Warum schreibe ich

Ich sehe die Probleme in meinem Heimatland und die Rebellion der Jugend. Kurz und knapp gesagt: ich war einer von ihnen.


Wie schreibe ich?

Es geht hier nicht um mich, weil ich hauptsächlich über den Iran und die Grüne Bewegung schreibe. Trotzdem hat der Leser das Recht zu erfahren, wer und mit welcher Perspektive diese Person hier schreibt!

Ich bin kein Sprecher der Grünen Bewegung. Ich berichte aber über sie. Während ich schreibe, ist es mir bewusst gehe ich davon aus, dass ich einer Minderheit in der Grünen Bewegung angehöre: ich bin viel zu unreligiös und halte nicht viel von der Weltanschauung der sogenannten "religiösen Intellektuellen" (solche wie Dr. Soroush), und ich bin nicht der Auffassung, dass die Probleme im Iran alleine dem Regime zuzuschreiben sind. Ich denke nicht, dass nach einem Regimewechsel "alle" Probleme automatisch beseitigt wären. Der Demokratieprozess, begonnen am Anfang des 20. Jahrhunderts, wird noch eine Weile nach einem Regimewechsel andauern, bis der Iran das Niveau eines europäischen Staates erreicht. Ein demokratisch werdender Iran muss sich beispielsweise mit der Frage befassen, wie er mit den übrig bleibenden Bassijis umzugehen hat, die aus Überzeugung Bassijis waren (und nicht nur wegen der materiellen Vorteile für IRGC oder Sepah arbeiteten). Oder wie der Iran seine ins Ausland ausgewanderten Fachkräfte überreden kann, in den Iran zurückzukehren, um ihr Land wieder aufzubauen. In meinem persischsprachigen Blog kritisiere ich auch nicht selten die Grüne Bewegung und überhaupt die Gesellschaft. Trotzdem habe ich ein gutes Verhältnis zu den meisten Bloggern und Aktivisten der Grünen Bewegung, weil wir uns gegenseitig respektieren und unsere Meinungen einander erläutern.

Um dem Leser dieses Blogs verschiedene existierende Meinungen darzustellen, erläutere ich Meinungen anderer Experten, Blogger, etc., dessen Meinungen ein größeres Gewicht im Iran haben als die von mir. Ab und zu kommentiere ich auch diese Meinungen. Oft schreibe ich auch meine eigenen Gedanken und mache dem Leser klar, dass dies "meine" Meinung ist.

Ich schreibe inhaltlich gesehen relativ trocken. Damit meine ich, dass ich keine Lust habe hier Parolen zu schreiben oder etwas größer zu machen als es ist. Ich schreibe ein paar Fakten und sehe keinen Grund, jedes Mal vor "Islamische Republik" hundert Adjektive zu schreiben. Ich denke, dass die Fakten vollkommen ausreichen. Falls jemand nach einem Forum zum Schreiben von Parolen sucht, ist hier im falschen Blog, kann aber leicht welche finden. 

Über die iranische Atompolitik schreibe ich in der Regel nicht, weil Experten darüber genügend schreiben.  

Das Problem der Anonymität 

Ich bin für viele Leser eine unbekannte Person und es ist mir bewusst, dass ich von niemandem verlangen kann, meinen Artikeln ohne weiteres zu vertrauen (und ich hoffe, meine Leser denken kritisch genug, nicht alles zu glauben). Ich schreibe auch Nachrichten. Um abzusichern, dass diese Nachricht wirklich eine Nachricht und keine Lüge ist, gebe ich die Quellen an oder stelle dem Leser ein paar "vergleichbare Artikel" vor. Es ist mir bewusst, dass es auch regimegegnerische Webseiten gibt, denen man nicht vertrauen kann (und davon gibt es jede Menge), die nicht weniger lügen als die Propaganda-Maschinen der Islamischen Republik. Dazu vielleicht später im Blog mehr. 

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